„Politik ist nichts anderes, als die Kunst der Staatsführung.
Die Politik wird auf den Landesversammlungen des Parlaments verwirklicht,
wobei über öffentliche Lasten, Steuern, Wehrdienst und Schulgesetze abgestimmt wird.
Die Politik vertritt die wichtigsten Gesamtinteressen der Gesellschaft und die des Einzelnen.
Dem kann sich niemand entziehen: entweder der Einzelne nimmt daran teil, oder er duldet.”

Alcide De Gasperi (1906)

 

Von den Hetärien bis zu think tank

In der Geschichte der Menschheit bilden sich von Zeit zu Zeit Gruppen, die in freundschaftlichen Tischgesellschaft oder auch in fest organisierter Form die gesellschaftlichen Verhältnisse in Frage stellen. Ihre Teilnehmer halten die bestehende Welt  nicht für die beste der denkbaren Welten und wollen alle Chancen für eine Veränderung nutzen. Die konkrete historische Situation bestimmt den Rahmen, innerhalb dessen die Gruppen ihre Anliegen zur Geltung bringen – vom Interessenverband der grauen Eminenzen bis zum Zirkel der  radikalen Revolutionäre.
Der Gründbeschluss des Collegium Pannonicum nimmt jene historische Abläufe, welche friedliche Zeiten der Menschheit zur Folge hatten, zum Vorbild.
Diese Epochen, in der Erinnerung die "guten alten Zeiten" erforderten gleichermaßen wie die heroischen Zeiten eine kämpferische Haltung. Es gibt immer die meinungsbildenden Gruppen mit einem Deutungs- und Lösungsanspruch für die gesellschaftlichen Probleme. Sie wagten entschieden und tatbereit für ihre Ziele solidarisch mit ihrer Heimat verbinden, einzutreten.
In der frühen Athener Demokratie gab es den politischen Freundeskreis der Hetärien, die im sog. Scherbengericht nach einer vorab festgelegten Konzeption votierten. Vergleichbare Interessengruppen, die Collegien gab es im Römischen Reich, jedoch mit anderen Intentionen: Neben Belangen des Gemeinschaftsleben war es vor allem qualifizierte Berufsausbildung und -ausübung, die im Sinne einer christlichen Gewerkschaft gefördert, kontrolliert und finanziert wurde. Es wären noch zahlreiche Beispiele aus der Geschichte zu nennen, die allesamt Vorläufer heutiger think tank-Verbände sind.
Das Collegium Pannonicum organisiert sich aufgrund politischer Wertvorstellungen: Seine Protagonisten und Förderer sind junge Intellektuelle, die sich zu den christlich-demokratischen Werten bekennen. Folglich gibt es entsprechende strategische Partner und natürliche Verbündete. Im Gegensatz zu den üblichen think tank-Organisationen versteht es sich als offene und parteiunabhängige geistige Werkstatt.
Die Aktivitäten zielen auf Analyse und Lösung akuter Probleme unserer Zeit, zum Handeln im öffentlichen Leben motiviert uns unsere christliche Verantwortung. In der Kulturzeitschrift Folia selecta, in Konferenzen und in der Erwachsenenbildung werden die Notwendigkeit des Handelns und eines für die Zukunft veranwortlichen Denkens thematisiert. Angestrebt wird die Realisierung der Programme auf einer partnerschaftlichen Basis. Der Dialog aller Beteiligten ermöglicht die Vermittlung der verpflichtenden Werte.


Tamás Pavlics
Vorsitzende des Kuratoriums

Budapest, Oktober 2007